{"id":73,"date":"2020-04-03T19:32:45","date_gmt":"2020-04-03T19:32:45","guid":{"rendered":"https:\/\/nachbarrecht-aargau.ch\/?page_id=73"},"modified":"2021-12-25T16:43:25","modified_gmt":"2021-12-25T16:43:25","slug":"pflanzabstaende-2","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/nachbarrecht-aargau.ch\/index.php\/pflanzabstaende-2\/","title":{"rendered":"Pflanzabst\u00e4nde"},"content":{"rendered":"<p>Im Kanton Aargau hat der Grosse Rat die Grenzabst\u00e4nde f\u00fcr Pflanzen geregelt. Diese Bestimmungen finden sich im <a href=\"https:\/\/gesetzessammlungen.ag.ch\/frontend\/versions\/2795\">Einf\u00fchrungsgesetz zum Schweizerischen Zivilgesetzbuch<\/a> (EG ZGB; \u00a7\u00a7 72 ff.) und werden nachstehend erl\u00e4utert.<\/p>\n<p>Die heute geltende Regelung wurde am 01.01.2018 in Kraft gesetzt. Sie gilt f\u00fcr alle seither neu gesetzten Pflanzungen.<\/p>\n<p>F\u00fcr<span class=\"text_content\"> Pflanzen, die a) vor dem 01.01.2018 gepflanzt wurden <em>und<\/em> b) die heute geltenden Bestimmungen verletzen, kommt jene gesetzliche Regelung zur Anwendung, die zum Pflanzzeitpunkt in Kraft war. Diese Regelung zu finden, kann sich als schwierig erweisen: Versionen seit 2010 finden sich <a href=\"https:\/\/gesetzessammlungen.ag.ch\/frontend\/versions\/2360?locale=de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">hier<\/a>. Das Departement Volkswirtschaft und Inneres\u00a0 gibt Auskunft dar\u00fcber, welche Version des EG ZGB zu einem bestimmten Zeitpunkt vor 2010 gegolten hatte.<br \/>\n<\/span><\/p>\n<p>Wer also die &#8222;nachbarrechtliche Rechtm\u00e4ssigkeit&#8220; einer Pflanze beurteilen will und feststellt, dass diese z.B. zu nah an der Grenze w\u00e4chst, sollte\u00a0 in einem zweiten Schritt die Frage kl\u00e4ren, wann diese Pflanze am besagten Ort zu wachsen begonnen hat.<\/p>\n<p><strong>Heute geltende Abst\u00e4nde<\/strong><\/p>\n<p>Pflanzen werden in Kategorien eingeteilt. F\u00fcr die verschiedenen Kategorien gelten unterschiedliche Grenzabst\u00e4nde.<\/p>\n<p>Kategorien: \u00abGr\u00fcnhecken\u00bb, \u00abNuss-, Kastanien- und andere B\u00e4ume \u00fcber 12 m H\u00f6he\u00bb, \u00abObstb\u00e4ume\u00bb, \u00abReben\u00bb, \u00abandere Pflanzen\u00bb.<\/p>\n<p>Entscheidend ist weiter, ob sich die angrenzenden Grundst\u00fccke beide in der Bauzone befinden.<\/p>\n<p>Pflanzen d\u00fcrfen grunds\u00e4tzlich bis an die Grenze gesetzt werden.<\/p>\n<p>Von diesem Grundsatz gibt es folgende Ausnahmen:<\/p>\n<p><strong>Grenzabstand f\u00fcr Gr\u00fcnhecken:<\/strong> Gr\u00fcnhecken in Bauzonen m\u00fcssen einen Grenzabstand von 0.6 m ab Stockmitte einhalten und d\u00fcrfen max. 1.8 m hoch sein. Bei einem Grenzabstand \u00fcber 1.8 m ab Stockmitte ist eine H\u00f6he bis zum Mass des Grenzabstands zul\u00e4ssig. Gr\u00fcnhecken m\u00fcssen so geschnitten werden, dass sie nicht \u00fcber die Grenze wachsen.<\/p>\n<p><strong>Grenzabst\u00e4nde f\u00fcr Pflanzen mit einer H\u00f6he von mehr als 1.8 m:<\/strong> Betr\u00e4gt die Pflanzenh\u00f6he<\/p>\n<ul>\n<li>1.8 m bis 3 m, gilt f\u00fcr sie ein Grenzabstand von 1 m.<\/li>\n<li>3 m bis 7 m, gilt ein Grenzabstand von 2 m.<\/li>\n<li>7 m bis 12 m, betr\u00e4gt der Grenzabstand die halbe H\u00f6he der Pflanze.<\/li>\n<li>F\u00fcr Nuss- und Kastanienb\u00e4ume sowie B\u00e4ume mit einer H\u00f6he \u00fcber 12 m betr\u00e4gt der Grenzabstand 6 m.<\/li>\n<li>F\u00fcr Obstb\u00e4ume mit einer H\u00f6he \u00fcber 7 m gilt ein Grenzabstand von 3 m.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Das EG ZGB enth\u00e4lt in \u00a7\u00a7 72 ff. weitere Vorschriften f\u00fcr Grundst\u00fccke gegen\u00fcber Landwirtschaftszonen und f\u00fcr Reben.<\/p>\n<p>Wie erw\u00e4hnt: Pflanzen, die bereits gepflanzt wurden, bevor diese \u00c4nderungen in Kraft treten, und das neue Recht verletzen, werden weiterhin nach altem Recht beurteilt.<\/p>\n<p><strong>Verwirkungsfristen<\/strong> (im Gesetz nicht geregelt)<\/p>\n<p>Hat ein Nachbar einen st\u00f6renden Zustand (wozu auch die Verletzung des Grenzabstands z\u00e4hlt) jahrzehntelang geduldet, ist sein Anspruch auf Entfernung der Pflanze verwirkt. <em>\u00abJahrzehntelang\u00bb<\/em> heisst im Kanton Aargau: 30 Jahre. Der Pflanzeneigent\u00fcmer kann sich aber nicht in jedem Fall auf die Verwirkung berufen: Bei einer erheblichen \u00c4nderung oder Intensivierung der pflanzlichen Immissionen beginnt die Verwirkungsfrist neu zu laufen (BGer <a href=\"https:\/\/www.bger.ch\/ext\/eurospider\/live\/de\/php\/aza\/http\/index.php?highlight_docid=aza%3A%2F%2F07-09-2015-5D_80-2015&amp;lang=de&amp;type=show_document&amp;zoom=YES&amp;\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">5D_80\/2015<\/a>; <a href=\"https:\/\/www.ag.ch\/de\/gerichte\/gesetze_entscheide\/agve__leitentscheide_\/agve__leitentscheide_1.jsp\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">AGVE<\/a> 1990 Nr. 1).<\/p>\n<p>Es handelt sich allerdings nicht um eine eigentliche <a href=\"https:\/\/www.chkp.ch\/chkpedia\/#chkpedia-77\">Verwirkungsfrist:<\/a> Verwirkung bedeutet, dass ein Recht untergeht. Das Obergericht des Kantons Aargau bezeichnete einen mehr als 30 Jahre nach Duldung behaupteten Beseitigungsanspruch nicht als verwirkt, sondern als <em>versp\u00e4tet vorgebracht<\/em>. Der Unterschied ist erheblich: Was verwirkt ist, existiert nicht mehr. Was versp\u00e4tet vorgebracht worden ist, gilt nur in Bezug auf einen spezifischen Nachbarn. Verkauf dieser das Grundst\u00fcck, kann der neue Eigent\u00fcmer &#8211; sofern er nicht wieder 30 Jahre lang unt\u00e4tig ist &#8211; den Grenzabstand durchsetzen, d.h. die Entfernung oder Eink\u00fcrzung der Pflanze verlangen.<\/p>\n<p><strong>Messweise<\/strong><\/p>\n<p>Die Messweisen sind kantonal unterschiedlich geregelt. In der Regel ist die Messweise abh\u00e4ngig von der Pflanzenart.<\/p>\n<p>Im Kanton Aargau bestimmt sich der zul\u00e4ssige Grenzabstand aufgrund der kleinsten horizontalen Entfernung zwischen der Grenzlinie und<\/p>\n<ul>\n<li>dem Mittelpunkt des Stammquerschnittes bei B\u00e4umen,<\/li>\n<li>dem grenzn\u00e4chsten Trieb bei Str\u00e4uchern und<\/li>\n<li>der Stockmitte, der Mitte der Pflanzstelle oder dem grenzn\u00e4chsten Punkt, an dem das Objekt aus dem Boden tritt bei Hecken.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Bei den Messungen, die vom Stamm oder Fuss der Pflanze ausgehen, muss die Messung an der Erdoberfl\u00e4che angesetzt werden, wo die Pflanze aus dem Boden tritt. Nur so kann sichergestellt werden, dass sich der Abstand zur Grundst\u00fccksgrenze mit dem Wachstum h\u00f6chstens geringf\u00fcgig ver\u00e4ndert. Da bei Str\u00e4uchern der am n\u00e4chsten zur Grenze gelegene Trieb massgebend ist, kann der Eigent\u00fcmer den Grenzabstand durch das Entfernen dieser Triebe vergr\u00f6ssern.<\/p>\n<p>Die H\u00f6he wird im Grundsatz vom Fuss der Pflanze (Austritt der Pflanze aus dem Boden) bis zum obersten Punkt der Pflanze (Spitze der Pflanze) gemessen. Dies gilt insbesondere auch dann, wenn das benachbarte Grundst\u00fcck wesentlich h\u00f6her oder tiefer gelegen ist, als das Grundst\u00fcck des Pflanzeneigent\u00fcmers.<\/p>\n<p>Anders liegt der Fall, wenn das urspr\u00fcngliche Terrain k\u00fcnstlich aufgesch\u00fcttet wurde. In diesem Fall ist das mutmassliche Niveau des urspr\u00fcnglich gewachsenen, nicht aufgesch\u00fctteten Bodens am Standort der Pflanze massgebend. Diese f\u00fchrt dazu, dass die H\u00f6he der k\u00fcnstlichen Aufsch\u00fcttung zur H\u00f6he der Pflanze hinzugerechnet werden muss. Insbesondere in geneigtem Gel\u00e4nde oder bei Niveauunterschieden gestaltet sich die Messung der H\u00f6hen schwierig und ist oft fehlerbehaftet.<\/p>\n<p><strong>Beseitigungsanspruch des Nachbarn<\/strong><\/p>\n<p>Steht aufgrund der Abstandsmessungen fest, dass die kantonalen Abstandsvorschriften verletzt sind, so steht dem betroffenen Nachbarn ein Anspruch auf Beseitigung oder R\u00fcckschnitt der Pflanze zu.<\/p>\n<p>Stellt der Eigent\u00fcmer trotz m\u00fcndlicher oder schriftlicher Aufforderung die rechtm\u00e4ssige Situation nicht her, kann der Nachbar beim zust\u00e4ndigen Gericht Klage einreichen, solange der Anspruch nicht verj\u00e4hrt ist. Eine Beseitigung von Pflanzen mittels Selbsthilfe durch den Nachbarn ist unzul\u00e4ssig und kann zu Schadenersatzanspr\u00fcchen des Pflanzeneigent\u00fcmers f\u00fchren.<\/p>\n<p><strong>\u00dcberragende \u00c4ste: Kapp- und Anriesrecht<\/strong><\/p>\n<p>Der Nachbar darf \u00c4ste und Wurzeln zur\u00fcckschneiden (kappen) und behalten , wenn die folgenden Voraussetzungen allesamt erf\u00fcllt sind:<\/p>\n<ul>\n<li>\u00c4ste ragen \u00fcber \/ Wurzeln dringen ein und<\/li>\n<li>sch\u00e4digen das benachbarte Eigentum oder beeintr\u00e4chtigen es erheblich und<\/li>\n<li>eine Beschwerde beim Eigent\u00fcmer mit angemessener Fristansetzung zur Beseitigung der Beeintr\u00e4chtigung ist erfolgt und<\/li>\n<li>der Eigent\u00fcmer hat innert der angesetzten Frist die Sch\u00e4digung bzw. Beeintr\u00e4chtigung nicht behoben.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Dabei d\u00fcrfen aber nur die \u00c4ste und Wurzeln entfernt werden, die zur Beseitigung der Beeintr\u00e4chtigung notwendig sind und der Nachbar darf sie allerh\u00f6chstens bis zur Grundst\u00fccksgrenze zur\u00fcckschneiden.<\/p>\n<p>Das Kapprecht setzt eine Grenz\u00fcberschreitung voraus und gilt auch f\u00fcr Kletterpflanzen, Stauden und Hecken. Pflanzen, die <em>auf<\/em> der Grundst\u00fccksgrenze stehen, sind ausgenommen. Wertlose Einjahrespflanzen, insbesondere Unkraut, d\u00fcrfen jederzeit auch ohne Bestehen einer Sch\u00e4digung und ohne Fristansetzung abgeschnitten werden. Kontaktieren Sie einen Anwalt, bevor Sie zur Baumschere greifen.<\/p>\n<p>Neben einer Sch\u00e4digung kann auch eine erhebliche Beeintr\u00e4chtigung zu einem Kapprecht f\u00fchren. Dabei stellt sich regelm\u00e4ssig die Frage, wann die Beeintr\u00e4chtigung \u00fcber das gew\u00f6hnliche Mass hinausgeht. \u00dcblicherweise werden Einwirkungen durch Laub- und Nadelfall, Fallobst, Schattenwurf oder Behinderung der Aussicht nicht als \u00fcberm\u00e4ssig beurteilt. Demgegen\u00fcber wird eine \u00fcberm\u00e4ssige Beeintr\u00e4chtigung bejaht, wenn eine erhebliche St\u00f6rung der Bewirtschaftung des Grundst\u00fccks vorliegt, wie beispielsweise eine eingeschr\u00e4nkte Ben\u00fctzung von Parkpl\u00e4tzen, Strassen und Wegen oder eine Erschwerung bei der Verrichtung der Gartenarbeit.<\/p>\n<p>Anriesrecht (<a href=\"https:\/\/www.admin.ch\/opc\/de\/classified-compilation\/19070042\/index.html#a687\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Art. 687 Abs. 1 ZGB<\/a>) bedeutet, dass ein Nachbar, der das \u00dcberragen von \u00c4sten auf bebauten oder \u00fcberbauten Boden duldet, das Recht an, die an den \u00fcberragenden \u00c4sten wachsenden Fr\u00fcchten hat.<\/p>\n<p><strong>Konsequenzen \u00fcberm\u00e4ssiger Beeintr\u00e4chtigungen<\/strong><\/p>\n<p>Neben Verletzungen der kantonalen Abstandsvorschriften und dem \u00dcberragen von \u00c4sten und Wurzeln, k\u00f6nnen Pflanzen auch andere \u00fcberm\u00e4ssige Einwirkungen auf das Eigentum der Nachbarn aus\u00fcben, wie <a href=\"https:\/\/www.admin.ch\/opc\/de\/classified-compilation\/19070042\/index.html#a684\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Art. 684 ZGB<\/a> zeigt. So k\u00f6nnen trotz eingehaltener Grenzabst\u00e4nde Pflanzen aus Nachbars Garten zu Beeintr\u00e4chtigungen f\u00fchren; sei es, weil sie abends die letzten Sonnenstrahlen verdecken, weil sie die Seesicht behindern, weil durch Fallobst Insekten angezogen werden oder weil Laub und Tannenzapfen Sitzplatz und Rasen bedecken.<\/p>\n<p>Eine Eigentumsaus\u00fcbung, die solche Immissionen verursacht, ist nach <a href=\"https:\/\/www.admin.ch\/opc\/de\/classified-compilation\/19070042\/index.html#a684\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Art. 684 Abs. 2 ZGB<\/a> insbesondere dann verboten, wenn es dadurch zu \u00fcberm\u00e4ssigen Beeintr\u00e4chtigungen auf dem Nachbargrundst\u00fcck kommt. Um aus den konkreten Beeintr\u00e4chtigungen aber tats\u00e4chlich rechtliche Anspr\u00fcche ableiten zu k\u00f6nnen, bed\u00fcrfen sie einer gewissen Intensit\u00e4t und Erheblichkeit.<\/p>\n<p><strong>Negative Immissionen (Entzug von Licht und Aussicht)<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p>Es wird zwischen negativen und materiellen Immissionen unterschieden, wobei es sich dabei nicht ausschliesslich um Einfl\u00fcsse durch benachbarte Pflanzen handeln muss. Wird beispielsweise durch erheblichen Schattenwurf Licht von einem Grundst\u00fcck abgehalten oder wird die Aussicht behindert, spricht man von negativen Immissionen. F\u00e4llt ein Beseitigungsanspruch nach kantonalem Recht weg, da er entweder bereits verj\u00e4hrt ist oder mangels Grenzabstandsverletzung gar nie bestand, kann eine Beseitigung der st\u00f6renden Pflanzung allenfalls gest\u00fctzt auf <a href=\"https:\/\/www.admin.ch\/opc\/de\/classified-compilation\/19070042\/index.html#a684\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Art. 684 Abs. 2 ZGB<\/a> gepr\u00fcft werden.<\/p>\n<p>Der bundesrechtliche Immissionsschutz geht den kantonalen Abstands- und Verj\u00e4hrungsregelungen vor, sofern die Beeintr\u00e4chtigung \u2013 beispielsweise durch Schattenwurf von B\u00e4umen \u2013 erheblich ist. Das Bundesgericht begr\u00fcndet diese Regel damit, dass negative Immissionen meist von Jahr zu Jahr zunehmen und somit aufgrund der teilweise eher kurzen Verj\u00e4hrungsfristen gest\u00fctzt auf das kantonale Recht gar nicht durchgesetzt werden k\u00f6nnen (vgl. <a href=\"http:\/\/relevancy.bger.ch\/php\/clir\/http\/index.php?highlight_docid=atf%3A%2F%2F126-III-452%3Ade&amp;lang=de&amp;type=show_document\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">BGE 126 III 452 E. 3c<\/a>).<\/p>\n<p>Dass der bundesrechtliche Immissionsschutz den kantonalen Abstandsvorschriften vorgehen kann, best\u00e4tigte das Bundesgericht auch hinsichtlich einer einmalig sch\u00f6nen Aussicht an exklusiver Lage, welche durch eine nachtr\u00e4gliche Bepflanzung auf dem Nachbargrundst\u00fcck entzogen wurde. Erschwerend verlangt das Bundesgericht hier eine &#8222;mauer\u00e4hnliche&#8220; Bepflanzung, welche die Aussicht vollst\u00e4ndig entzieht (vgl. <a href=\"https:\/\/www.bger.ch\/ext\/eurospider\/live\/de\/php\/aza\/http\/index.php?highlight_docid=aza%3A%2F%2F12-03-2009-5A_415-2008&amp;lang=de&amp;type=show_document&amp;zoom=YES&amp;\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">BGer 5A_415\/2008<\/a> vom 12.03.2009).<\/p>\n<p>Die Frage, wo die Grenze der \u00dcberm\u00e4ssigkeit zu ziehen ist, muss im Einzelfall beurteilt werden und unterliegt dem Ermessen des Gerichts, das auch die \u00f6rtlichen Verh\u00e4ltnisse zu ber\u00fccksichtigen hat.<\/p>\n<p><strong>Materielle Immissionen<\/strong><\/p>\n<p>Zu den materiellen Immissionen z\u00e4hlen unter anderem Einwirkungen durch Laubfall, Tannennadeln und \u2013zapfen, Samen, Bl\u00fctenstaub, Fallobst oder tropfendes Harz. Neben den negativen k\u00f6nnen auch diese materiellen Immissionen einen Beseitigungsanspruch nach <a href=\"https:\/\/www.bger.ch\/ext\/eurospider\/live\/de\/php\/aza\/http\/index.php?highlight_docid=aza%3A%2F%2F12-03-2009-5A_415-2008&amp;lang=de&amp;type=show_document&amp;zoom=YES&amp;\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Art. 684 Abs. 2 ZGB<\/a> begr\u00fcnden. Im Gegensatz zu den Beeintr\u00e4chtigungen durch Schattenwurf oder Entzug der Aussicht sieht das Bundesgericht im Laubfall \u00fcblicherweise keine \u00fcberm\u00e4ssige Beeintr\u00e4chtigung. Es begr\u00fcndet seinen Entscheid damit, dass Laub nur \u00fcber eine begrenzte Zeit anf\u00e4llt und entfernt werden kann, weshalb keine dauerhafte St\u00f6rung vorliegt (vgl. BGE <a href=\"http:\/\/relevancy.bger.ch\/php\/clir\/http\/index.php?highlight_docid=atf%3A%2F%2F131-III-505%3Ade&amp;lang=de&amp;type=show_document\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">131 III 505<\/a> E. 4.2). Eine \u00fcberm\u00e4ssige Beeintr\u00e4chtigung durch Laubfall kann nur bei Vorliegen ganz besonderer Verh\u00e4ltnisse bejaht werden. Ein allenfalls daraus resultierender Anspruch beschr\u00e4nkt sich in der Regel jedoch auf die Entsorgung des Laubes.<\/p>\n<p><strong>Verj\u00e4hrung<\/strong><\/p>\n<p>Der kantonale Beseitigungsanspruch basiert auf einer Unterschreitung der gesetzlich vorgeschriebenen Grenzabst\u00e4nde. Das Kapprecht setzt voraus, dass die gesetzeskonform gesetzten Pflanzen durch ihr Wachstum die Grundst\u00fccksgrenze \u00fcberragen und der bundesrechtliche Schutz vor Immissionen bedarf zu seiner Durchsetzung \u00fcberm\u00e4ssiger Beeintr\u00e4chtigungen des Eigentums. Ob diese Anspr\u00fcche auch tats\u00e4chlich durchgesetzt werden k\u00f6nnen, h\u00e4ngt davon ab, ob das Recht der Kantone oder des Bundes Verj\u00e4hrungsfristen normiert hat.<\/p>\n<p><strong>Anspruch auf Beseitigung<\/strong><\/p>\n<p>F\u00fcr die Klage auf Beseitigung einer Pflanze im Unterabstand schreibt ein Grossteil der Kantone Verj\u00e4hrungsfristen vor. Diese reichen von einem Jahr bis zu 30 Jahren, wobei es sich mehrheitlich um absolute Fristen handelt.<\/p>\n<p>Sieben Kantone regeln die Verj\u00e4hrungsfristen gar nicht oder sehen im Gesetz explizit vor, dass der Beseitigungsanspruch jederzeit geltend gemacht werden kann. Die Tatsache, dass gewisse Kantone keine gesetzlichen Verj\u00e4hrungsfristen festschreiben, f\u00fchrt jedoch nicht zwingend zu einem unbefristeten Beseitigungsanspruch, da die Gerichte Verwirkungsfristen zulassen k\u00f6nnen, wie dies im Kanton Aargau geschehen ist (30 Jahre, s. oben, vgl. Entscheid<a href=\"https:\/\/www.bger.ch\/ext\/eurospider\/live\/de\/php\/aza\/http\/index.php?highlight_docid=aza%3A%2F%2F07-09-2015-5D_80-2015&amp;lang=de&amp;type=show_document&amp;zoom=YES&amp;\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"> 5D_80\/2015<\/a> des Bundesgerichts vom 07.09.2015, E. 3.1.). Die Tatsache, dass neben gesetzlichen Verj\u00e4hrungsfristen auch Verwirkungsfristen (bzw. <em>verwirkungs\u00e4hnliche<\/em> Fristen, dazu oben) zur Anwendung gelangen k\u00f6nnen, verkompliziert die Beurteilung von Streitigkeiten \u00fcber B\u00e4ume, Str\u00e4ucher und Hecken zus\u00e4tzlich.<\/p>\n<p><strong>Anspruch auf Zur\u00fcckschneiden<\/strong><\/p>\n<p>Im Gegensatz zum Anspruch auf Beseitigung, ist der Anspruch auf Zur\u00fcckschneiden in s\u00e4mtlichen Kantonen unverj\u00e4hrbar und kann somit jederzeit geltend gemacht werden.<\/p>\n<p><strong>Anspruch auf Immissionsschutz<\/strong><\/p>\n<p>Besteht weder ein Beseitigungsanspruch noch ein Kapprecht, wird der Nachbar aber durch \u00fcberm\u00e4ssige Immissionen in seinem Eigentumsrecht beschr\u00e4nkt, so kann er sich jederzeit auf den bundesrechtlichen Immissionsschutz nach Art. 684 ZGB berufen, der unverj\u00e4hrbar ist.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Kanton Aargau hat der Grosse Rat die Grenzabst\u00e4nde f\u00fcr Pflanzen geregelt. 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